Die Leinenweber Stoffe aus reinem Leinen

Kulturgeschichte des Leinens



Lein, auch Flachs genannt, ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Welt. ›Gewebtes
Mondlicht‹ nannten es die Ägypter schon vor mehr als 5000 Jahren wegen seiner
eigentümlichen Schönheit. Weniger poetisch, dafür um so treffender ist die lateini-
sche Bezeichnung: ›linum usitatissimum‹ – der überaus nützliche Lein.

Sowohl die Stengel als auch die Samen lassen sich nutzbringend verwerten. Die faserreichen Stengel zur Herstellung von Gespinsten, und die Öl, Eiweiß und Schleim reichen Samen als Nahrungs- und Futtermittel, für Arzneimittel und zur Gewinnung
des" Leinöls. Heute werden Spezialzüchtungen angebaut: Faserflachs und Ölflachs.

Wegen der vielseitigen Nutzbarkeit der Pflanze – vergleichbar vielleicht nur noch
mit der Rolle, die der Bambus in der asiatischen Kultur spielt – brachte ihr der Mensch
schon immer eine hohe Wertschätzung und Liebe entgegen.

So begeisterte sich etwa Adalbert Stifter im Anblick der blaublühenden heimatlichen Flachsfelder:

›Die Flachspflanze ist ein Freund des Menschen,
diese Pflanze hat den Menschen lieb.
Ich weiß jetzt, daß es so ist.‹



Flachskulturen in Ägypten lassen sich schon für das vierte Jahrtausend v.Chr. nachweisen. Darstellungen dieser Zeit zeigen als eine Folge feierlicher Verrichtungen den Werdegang von Ernte, Flachsverarbeitung, Rösten, Hecheln usw. Die Salbung der Mumien geschah unter Verwendung von Leinwandbinden, und die Gewänder der Lebenden, insbesondere
die Kultgewänder der Priester, waren aus Leinen gewirkt, galt doch das Leinen als Symbol
der Reinheit.

Dieser Symbolismus mag seine Wurzeln nicht nur in der merkwürdigen Widerstandskraft des Stengels gegen die Elemente des Wetters haben, sondern vor allem aus dem Erleben der für die Hautatmung durchlässigen Leinenstoffe herrühren und dem herrlichen Weißton, den gebleichtes Leinen aufweist.

In den Metamorphosen Ovids wird die ägyptische Göttin Isis als ›dea linigera‹, die Leinengöttin, angesprochen. Die ›linigeri‹ (Leinenträger) waren also die Priester des Isiskultes in Rom.

Schon früh wurden auch Verfahren entwickelt, die robuste Leinenfaser besonders dicht zu verweben. Die etruskische Stadt Tarquinii lieferte 500 v.Chr. sturmfeste Leinwand für die Besegelung der römischen Flotte. Besonders dicht verwobenes Leinen, das in Leinöl getränkt wurde und durch Luftoxydation erhärtete, wurde von den Etruriern als Panzer-
kleidung verwendet
. Nach dem selben Verfahren wurde sogar auch Gefäße als Ersatz für Glas hergestellt!

Der noch heute blühende belgische und flämische Flachsanbau ist aus einer langen Tradition hervorgegangen: Schon Plinius bezeichnete ganz Gallien einschließlich der keltischen Bewohner der Niederlande als ›Leinen webend‹. Bekannt ist die Vorliebe Karls des Großen für Leinwand; in der Sage finden wir Frau Holle als Spinnerin und Beschützerin des Flachsanbaus.

Im Mittelalter hat Flachs eine bedeutende Rolle gespielt; Leinwand war ein wertvoller Handelsartikel. Es kam zu einer blühenden Leinenindustrie – Schlesien, Westphalen, Elsaß, Schwaben.

In Augsburg gründete die Handelsdynastie der Fugger ihren Reichtum auf dem Leinenhandel.

Auf den niederschlagsreichen Höhenzügen der schwäbischen Alb wurde noch im 19. Jhdt. Flachs in größeren Mengen angebaut und in bäuerlicher Heimarbeit zu besonders geschätzten Tuchen verarbeitet.

Mit Eintritt des Maschinenzeitalters setzte in Westeuropa ein stetiger Niedergang der Flachskultur ein. Handarbeit, wie sie gerade der Flachs erfordert, wurde teuer, und durch die rapide Entwicklung der Baumwollindustrie und später auch durch synthetische Fasern wurde Flachs immer weiter zurückgedrängt. Seine Vorzüge gerieten in Vergessenheit, und am Ende war reines Leinen kaum noch irgendwo erhältlich!

Erst vor wenigen Jahren wurde Leinen wiederentdeckt, um heute eine Renaissance zu erleben. Ein neu erwachter Sinn für Lebensqualität und für die ökologischen Folgen von Anbau und Verarbeitung hat zu einer Widerentdeckung der Vorzüge von Leinen geführt.

Diese Vorzüge zeigen sich bereits im Anbau. Flachs gedeiht auf mageren Böden und braucht auch bei konventioneller Anbauweise nur ganz geringe Düngerzugaben, reagiert sogar auf Überdosen mit geringerer Faserqualität. Monokulturen mit ihren negativen Auswirkungen für Bodenqualität und Tierwelt verbieten sich von selbst: Schon nach zweimaligem Anbau auf gleichem Feld wird der Boden ›flachsmüde‹ und verlangt eine Pause von sieben Jahren, bevor erneut Flachs angebaut werden kann. Herbizide brauchen – von akutem Pilzbefall abgesehen – nicht eingesetzt zu werden. Die Lösung der Faser aus dem Stengel erfordert keinerlei chemische Mittel, sie kann entweder durch die traditionelle ›Tauröste‹ (natürliche Verrottung der Holzteile durch Pilze und Kleinlebewesen) oder im modernen Dampfhochdruck-Verfahren geschehen.

Gebleicht wird die Faser heute in dem weniger umweltbelastenden Wasserstoff-Peroxyd-Vefahren und nicht mehr mit Chlor. Weil wir auch diese Chemikalien noch vermeiden wollen, führen wir hauptsächlich ungebleichte Stoffe im Naturton.

Bei der ›Ausrüstung‹ – dem letzten Veredelungsschritt – werden die Gewebeeigenschaften anderer Stoffe üblicherweise durch Textilchemikalien massiv beeinflußt, die beim Endverbraucher dann hautnah erlebt werden. Bei Leinen genügt eine rein mechanisch-thermische Behandlung, um den fülligen weichen Griff des Gewebes zu erzielen.



Unser kleines Unternehmen ist ganz aus einer persönlichen Vorliebe für Leinen entstanden. Diese Pflanze ist dem Menschen gut! Wir wissen, daß es so ist!

Möge diese Schrift dem Leinen neue Freunde gewinnen, die seinen Wert für Mensch und Natur und seine Ästhetik der anspruchsvollen Einfachheit zu schätzen wissen und ihm
- über die derzeitige Mode hinaus – wieder ihre Wohnungen und ihre Kleiderschränke öffnen!
 

 

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